Priv.-Doz. Dr. Hasso Spode

Universität Hannover, IfS
Schneiderberg 50, 30167 Hannover
 
 

Block-Seminar WS 00/01: "Geschichte der bösen Gewohnheiten. Amerika und Deutschland im Vergleich"

Einführungstermin: Fr., den 27.10., 13.30 Uhr, Raum V 208

Genußmittel und Drogen gelten beiderseits des Atlantik als gefährliche Substanzen. Im Umgang mit ihnen zeigen sich zum einen Gemeinsamkeiten, zum anderen tiefgreifende Differenzen zwischen der Alten und der Neuen Welt. So weisen "Lebensreform"- und "clean life"-Bewegungen seit dem 19. Jh. vergleichbare soziale und mentale Strukturen auf; ihre gesamtgesellschaftliche Akzeptanz war jedoch unterschiedlich. Gemeinsam ist auch der zyklische Verlauf der Kampagnen, wobei Amerika eine Vorrreiterrolle übernahm: Stets wurde von Seiten der USA versucht, die eigenen Praktiken weltweit zum Standard zu machen; derzeit recht erfolgreich über die Universalisierung der präventivmedizinischen Deutungsmacht im Allgemeinen und die Politiken der WHO im Besonderen. Zu fragen ist nach den historischen Wurzeln und Wirkmechanismen des Kampfes gegen die "bad habits", vom offen moralischen "Kreuzzug" zu den verwissenschaftlichen Kampagnen im Kontext von "Rassenhygiene" und "Volksgesundheit". Im Mittelpunkt sollen dabei beispielhaft Ernährung, Rauchen und Alkohol stehen.
 
 

Themenvorschläge

einzelne Substanzen:
Tabak:
USA - um 1900 und heute
Deutschland - NS-Zeit
Ernährung:
Der Cholesterin-Diskurs
Adipositas
Alkohol:
Deutschland - Thematisierungskonjunkturen
USA - Thematisierungskonjunkturen (Prohibition)
Der Europäische Aktionsplan Alkohol und das "French Paradox"
Drogen:
pharmakologische und kulturelle Wirkungen: Der Fall Daum

theoretische Synthesen:
Die Natur "sozialer Probleme"
Gesundheit als "symbolischer Kreuzzug" / "säkulare Religion"
Grenzen von Freiheit und Zwang

Literaturauswahl

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